Lieber Ludwig, eigentlich wollte ich dir noch ein paar Zeilen schreiben und dir zu deinem runden Geburtstag, den du ja schon im August des Vorjahres feiern konntest, gratulieren. V. a. aber wollte ich dir noch einmal Vergelt‘s Gott sagen dafür, dass du Annemarie und mir die große Freude gemacht hast und uns 1985 in der Wallfahrtskirche Mariae Heimsuchung in Gwabl den Segen Gottes zu unserer Ehe erteilt hast. Da hat das Eine zum Anderen gepasst. Mozart beim Trauungsgottesdienst, den du, ein großer Freund der Musik, mit uns gefeiert hast, die zwei Musikkapellen beim Ständchen danach. Wir durften das Gefühl haben, dass auch du dich wohlgefühlt hast. Bei der traditionellen Bergmesse bei der Schoberhütte warst meist du der Zelebrant. So habe ich mich immer sehr gefreut, wenn du auf Heimaturlaub auf dem Weg zur Kirche ein paar Worte mit mir gewechselt hast. Du warst ein kluger Kopf, das war schon nach ein paar Sätzen klar – den Doktortitel (oder waren es gar zwei?) bekamst du ja nicht zu Weihnachten – aber du hast das nie hervorgekehrt. Du bliebst stets ein „Volkspriester“, du liebtest die Musik und den Gesang. Beides war dir gewissermaßen in die Wiege gelegt worden. Beim „Untermoar“ zählte die christliche Nächstenliebe mehr als die gottlose Ideologie und so war auch der „Fremdarbeiter“ im 2. Weltkrieg in erster Linie Mitmensch und saß beim Essen mit der Familie am Tisch, wohl wissend, dass das Kopf und Kragen kosten konnte. Und ein Onkel, der „Untermoars Peter“, nutzte nicht nur sein musikalisches Talent, sondern auch seine handwerkliche Begabung: Er baute (oder hat er es gar erfunden?) das sog. Osttiroler bzw. Gwabler Hackbrett. Lieber Ludwig, dein Tenor stimmt nun gewiss ein in den himmlischen Chor der Cherubim und Seraphim. Ruhe in Gottes Frieden und lege ein gutes Wort für uns ein bei dem, dem alle 9 Engelschöre dienen.
Wir hatten das Privileg einem besonderen Menschen begegnet zu sein, der auch seinen Mitmenschen viel bedeutete. Wir werden unseren Onkel Ludwig immer als fröhliches und herzliches Wesen in Erinnerung behalten. So begegnete er auch seinen Mitmenschen, mit Warmherzigkeit. Er gab jedem das Gefühl, sich wie zu Hause zu fühlen, auch wenn man weit weg von zu Hause war.
Seine Frohnatur, sein Gesang und die Liebe zur Musik prägten unsere Erinnerung an ihn. Einer der schönsten Momente bleibt uns immer im Gedächtnis: das gesellige Zusammentreffen der Geschwister Jester im Haus in Ainet. Es wurde gemeinsam gelacht, musiziert und Karten gespielt, manchmal über Stunden hinweg. Sie waren so glücklich - eine wahre Hommage an das Leben!
Wir verabschieden uns und danken Ludwig für seinen prägenden Einfluss in unser Leben.
Von Elvira und Joachim, den Kindern der verstorbenen Herfried Knapp und Elisabeth Jester und ihren Familien
Liebe Burgl!
Es war immer eine Freude, wenn der Ludwig Dich in der Bücherei besucht hat. Gott wird in jetzt mit weit offenen Armen willkommen heißen. Mit großer Dankbarkeit, dass er den Menschen mit so viel Liebe von ihm erzählt hat, als Botschafter für den Himmel in einer oft dunklen Welt. Gottes Engel werden Ludwig begleiten, wenn er sehen möchte, was aus den Kindern geworden ist, die er getauft hat und aus den Paaren, die mit seinem Segen geheiratet haben. Priester tragen so viel Freude und Trauer mit, wenn Leben beginnen und enden oder nicht so verlaufen, wie der Schöpfer es für alle wünscht. Leider wird wird ihr großer persönlicher Einsatz selten entsprechend gewürdigt. Aber Gott wird es tun.
In dankbarer Erinnerung an die Begegnungen mit Ludwig und tiefem Mitgefühl mit allen, die um ihn trauern.
Elisabeth